Eine echte Überraschung – Reiseführer Lonely Planet Budapest auf deutsch ist da
Zugegeben: In der langen Reihe meiner Reiseführer ist dies mein erster Lonely Planet. Druckfrisch liegt er auf dem Schreibtisch, nebenan das Regal mit unzähligen anderen Guides. Der erste Eindruck soll für so vieles entscheidend sein – meine Sympathie hat er jedenfalls schon beim Auspacken gewonnen. Es ist das Gewicht, das ihn gleich sympathisch macht – wenn man mit Fotoapparat, Wasserflasche und sonstigen Touristenutensilien durch fremde Städte sind, muss nicht noch zusätzlicher Ballast sein. Das heißt, wir könnten Freunde werden – der Lonely Planet Budapest. Und dann blättere ich mich durch die 260 Seiten, erinnere mich an frühere Trips in die Hauptstadt der Magyaren und will natürlich wissen, ob sich meine Eindrücke auch so in dem Buch wiederfinden.
Doch damit geht es noch nicht los – erst einmal sind da viele Fakten, die ich in Ruhe im Flieger schmökern könnte: Geschichte, Kunst und Architektur, Regierung usw. Ungewollt lese ich mich an der Stelle fest, wie Fürst Arpad mit seinen Stämmen kriegerisch durch Europa zog und die Dörfer Buda und Pest noch völlig unbedeutend waren …. Dann bin ich bei meiner gedanklichen Reise doch angekommen und blättere weiter. Die Innenstadt (Belvaros) und Leopoldstadt (Lipotvaros) kennen die meisten Touristen, hier sind nicht nur die teuren Büros, sondern auch die Kneipen, in denen man nicht so viel ungarisch hört – sondern eher deutsch, englisch, italienisch, spanisch …. Infos zu Kirchen und U-Bahnmuseum sowie zu den “top picks”. Da ist der Eintritt frei – beispielsweise in der St.-Stephans-Basilika, dem elektrotechnischen Museum oder dem Parlament. Was diesen Lonely Planet aber wirklich praktikabel macht, sind kleine Stadtkarten, in denen alle Tipps für den jeweiligen Bezirk eingetragen sind – von Antiquariatsmuseum bis zum Weinladen, vom Bisztro Oregano bis zum Jazz Garden. Übersichtlich auch nach Nightlife, Transport, Shopping usw. sortiert. Diese “top picks” machen ihrem Namen wirklich alle Ehre – egal, ob man ein Hostel sucht oder die angesagte Nightlife-Location.
Apropos Shopping: Wirklich witzig ist eine Idee, die einem lange Gesichter bei den Souvenirs für die Daheimgebliebenen erspart – es gibt einen umfangreichen Shoppingteil. Bei einem bunten T-Shirt mit Budapest-Motiv fällt die Größe sicher nicht so sehr ins Gewicht, aber bei anderen Sachen kann die Tabelle mit den Konfektionsgrößen sehr hilfreich sein. Bei Damenschuhen – schließlich sind Budapester Schuhe ja weit berühmt und gelobt – entspricht die französische Größe 40 übrigens der 39 im restlichen Europa, in Japan der 26, in den USA und Australien einer 9! Wieder was gelernt!
Und mit Wissen kann der Guide auch weiter punkten: Unter Aktivitäten finden sich nicht nur Informationen über die vielen Thermalbäder, der Quellen teilweise schon von den Türken während des Mittelalters genutzt wurden. Es gibt auch Informationen über Höhlenwanderungen, Reiten und – für die passiveren Zeitgenossen – zum Zuschauen, ergänzt mit dem Hinweis, dass Ungarn es bei Olympia in Peking auf zehn Medaillen brachte, während es in Sydney und Athen 17 waren und 1996 in Atlanta ganze 21. Nun mag man sich fragen, ob dies wirklich in einen Reiseführer gehört – mich hat es jedenfalls nicht gestört. Und mit irgendwas muss der Autor ja auch seine Zeit verbracht haben, denn laut Buchtext hat er 45 Tage in der Stadt recherchiert und ganze 25 Jahre Budapest-Erfahrung auf kosmopolitischen Buckel. Dabei werden auch solche Fragen geklärt wie: Welche Steckdosen funktionieren im Hotel, wo sind besten schwul-lesbischen Treffs und was kostet gegrillte Entenleber auf Ingwertoast im Stadtwäldchen (es sind übrigens 2.890 Forint – etwa 10,70 Euro). Wobei ich mir bei dieser Preisangabe fast sicher bin, dass sie schneller überholt ist, als eine Neuauflage des Reiseführers erscheint ….
Pressemitteilungen sind ja nicht gerade für ihre kritische Distanz zum beschriebenen Objekt berühmt, die zum Lonely Planet Budapest aber muss sich nicht verstecken. “Zuverlässige Reiseinfos für Individualreisende, das ist das Markenzeichen der australischen Kultreiseführer Lonely Planet. Lonely Planet Budapest ist 1:1 das englische Original: mit allen Infos für Sightseeing, Aktivurlaub und Relaxen plus Extra-Infos für deutschsprachige Traveller. Der Guide führt auch zu romantischen Gassen, schrägen Museen und angesagten Musikbars abseits der Touristenpfade. Das Expertenteam hat zudem Unterkünfte und Restaurants für jeden Geldbeutel ausfindig gemacht: vom blitzsauberen Hostel mit Fahrradverleih über zentrale Apartments bis hin zum Grand Hotel mit unterirdischem Verbindungsgang zum Thermalbad. Vom schnellen Gulasch-Stand über trendige kertek-Sommerlokale im Grünen bis zum panslawischen Schlemmerrestaurant mit Panoramablick….” Also dann – gute Reise!
Der Lonely Planet Budapest ist gerade erschienen und kostet 17,95 Euro (in Deutschland), in Österreich 18,50 Euro. Insgesamt gibt es bereits eine ganze Reihe von deutschen Ausgaben der Lonely Planet-Reihe, in den nächsten Wochen und Monaten kommen weitere hinzu. Geplant sind laut Verlag unter anderem Guides für China, Spanien, Thailand und die Türkei.







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